Bremer Vermittlungsbörse für Pflegebeistand
Detailinformationen
Wer freiwillig hilft, macht oft die Erfahrung, dass das eigene Engagement der Beginn von wertvollen Erfahrungen für sich selbst und die Betroffenen ist. Das Projekt „Zeit schenken – Pflegebeistand zu Hause“ möchte den Menschen in Bremen und Bremerhaven aber mehr bieten: Freiwillige und Betroffene sollen hier als gleichberechtigte Partner zusammengebracht werden, sich gegenseitig wertschätzen, voneinander lernen und ein neues Verständnis von häuslichen Pflegesituationen erfahren und transportieren. Gerade für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben sind persönliche und regelmäßige Bindungen der Pflegebedürftigen zu anderen Menschen wichtig. Deshalb steht der Aufbau von persönlichen Beziehungen zwischen den Menschen im Mittelpunkt dieses Projekts.
Gleiches gilt für die „Freiwilligenkerngruppen“, die sich generations-, geschlechts- und kulturübergreifend treffen sollen. Geplant ist die Einrichtung von Gesprächszirkeln, in denen sich 15 bis 20 Freiwillige zusammenschließen, ihre Arbeit gemeinsam reflektieren und Probleme und Erfahrungen austauschen können. Diese „kollegialen Beratungen“ sind jedoch nicht die einzigen Instrumente, mit denen die Freiwilligenarbeit professionell begleitet werden soll. Zusätzlich sind Kriseninterventionsdienste von therapiegeschultem Personal vorgesehen. Für neue Freiwillige ist die Teilnahme an einem zweitägigen Seminar zur Einführung in den Freiwilligendienst Pflicht. Spezielle Fortbildungen sollen den Freiwilligen dabei helfen, ihre persönlichen Kompetenzen zu erweitern und, die Erfahrung zu machen, dass die Arbeit in gleichberechtigten Partnerschaften für beide Seiten gewinnbringend ist. Die kontinuierliche Qualifizierung der Freiwilligen findet im Projekt ebenso Platz wie die regelmäßige Kommunikation und Anerkennung für geleistete Arbeit. Die jährliche Ausstellung einer persönlichen Urkunde, die die Freiwilligenarbeit würdigt, wird dabei als genauso wichtig angesehen, wie der „Selbsthilfetag“, der alle zwei Jahre organisiert wird. Zwischen kostenlosen Live-Konzerten dankt dort die zuständige Bremer Senatorin den Freiwilligen für ihre wertvolle und unersetzliche Arbeit. Außerdem sollen mit Hilfe einer noch aufzubauenden Datenbank künftig Gesuche von Betroffenen und Angebote von Engagementwilligen zusammengebracht werden. Die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und die Zusammenführung von verschiedenen Kulturen ist ebenfalls ein wichtiges Projektziel, wobei sich das Angebot der Vermittlungsbörse an junge Menschen in der Berufsorientierung, an Berufstätige, die sich nebenbei engagieren wollen, und an ältere Menschen, also an alle Altersgruppen, richtet.
Bis Ende des Jahres möchte das Projekt 100 neue Freiwillige in Bremen und Bremerhaven gewonnen haben. Diese ehrgeizige Zahl ergibt sich zum einen aus dem wachsenden Bedarf an Pflegepartnern und zum anderen aus den Möglichkeiten des erfahrenen und gut vernetzten Projektträgers. Mittelfristig, d.h. bis 2010, sollen Kooperationspartner aus der lokalen Wirtschaft als Sponsoren gewonnen werden, damit das Projekt langfristig auf einer soliden Finanzierungsgrundlage arbeiten kann. Bestehende Kontakte zu Unternehmen vor Ort sollen dafür in den nächsten Jahren ausgebaut und vertieft werden.
Erste Anlaufstelle für Engagementinteressierte ist der Verein und Projektträger Netzwerk Selbsthilfe Struktur und Ziele des Projekts sind auf andere Orte übertragbar. Eine Einbindung in den lokalen Selbsthilfebereich und eine generelle Vernetzung mit anderen Projekten sowie das Verständnis für die Sorgen und Nöte der Betroffenen sind dabei unverzichtbare Voraussetzungen für einen gelungenen Start.
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