Cham bewegt (sich)
Detailinformationen
Zum „böhmischen Wind“, der oft tagelang über die Landschaft pfeift, gesellt sich im Landkreis Cham neuerdings der frische Wind, für den die neuen Freiwilligendienste aller Generationen sorgen. Seit Anfang des Jahres werden die neuen Freiwilligendienste aller Generationen vom Landkreis initiiert – eine ehrgeizige Aufgabe deshalb, weil hier nicht auf Erfahrungen aus Vorläuferprojekten zurückgegriffen werden kann, sondern das Leuchtturmprojekt „Cham bewegt (sich)“ aus dem Stand aufgebaut werden soll. Vier Bereiche hat der Landkreis als dringlich ausgemacht und das Projekt deshalb auf folgende Pfeiler gestellt:
1. Die Chamer Ehrenamtscard: Ehrenamtliche Tätigkeiten sind nichts Neues. Die Neuen Freiwilligendienste stellen jedoch höhere Ansprüche an die Engagierten. Sie basieren auf einer freiwilligen Selbstverpflichtung und sind in dieser Form noch nicht sehr bekannt. Mit der Einführung einer "Chamer Ehrenamtscard", mit der den Freiwilligen Ermäßigungsvorteile in Chamer Geschäften gewährt werden, soll auch ein monetärer Nutzen kommuniziert und die Ehrenamtskultur gefördert werden. Als Partner der Ehrenamtscard konnten die Betreiber der BayerwaldCard gewonnen werden, die bereits über entsprechende Kontakte zum Einzelhandel verfügen. Nun müssen Einzelhandelsgeschäfte gewonnen werden, Rabatte für Freiwillige zu gewähren. Ein weiterer wichtiger Partner ist das Bayerische Staatsministerium für Arbeit und Soziales, Frauen und Familie.
2. Die zentrale Notrufstelle „Hilfe aus einer Hand“: Senioren, Kranke, Pflegebedürftige und deren Angehörige können in akute Notsituationen geraten, in denen der richtige Ansprechpartner nicht zur Verfügung steht oder nicht gefunden wird. „Hilfe aus einer Hand“ soll hier Abhilfe schaffen und dem konkreten Bedarf die richtige Hilfe zuordnen. Die Einrichtung des Hilfenetzes im Hintergrund bedarf enger Kooperation von Kliniken und Hilfsorganisationen im Landkreis Cham sowie intensiver Schulung von Freiwilligen.
3. Sport und gesunde Ernährung vom Kindergarten bis zum Seniorenheim: Mehr Sportangebote im Kindergarten können dazu beitragen, die Zahl übergewichtiger Kinder zu reduzieren. Außerdem sollen Kinder frühzeitig lernen, gesunde Speisen zuzubereiten. Bewegungsangebote helfen Senioren, länger fit zu bleiben. Hauptamtliche und freiwillige, lizenzierte Trainer in Kindergärten und Seniorenheimen sollen hierzu entsprechende Angebote durchführen. In den Städten ist angedacht, gemeinsame Sportstunden von Jung und Alt zu organisieren ("Sport vom Kindergarten bis ins Seniorenheim"). Dadurch wird auch das Miteinander der Generationen gefördert und werden Kinder an ehrenamtliches Engagement herangeführt.
4. Märchentanten und Märchenonkel: Bevor die Region gut vier Jahrzehnte lang zum Zonenrandgebiet kurz vor dem eisernen Vorhang gehörte, verliefen jahrhundertelang die Handelsströme durch die Cham-Further Senke nach Böhmen. Diese ältere und schönere Tradition des gegenseitigen Austauschs aufgreifend, bemüht sich das Projekt um eine deutsch-tschechische Zusammenarbeit mit der Freiwilligenagentur TOTEM im westböhmischen Pilsen. Im Teilbereich „Märchentanten (-onkel)“ soll in Kindergärten die gegenseitige Vorlese- und Lesekultur gepflegt und gezeigt werden, dass viele Märchen inhaltlich (fast) gleich auch in anderen Sprachen und Kulturen existieren.
Projektpartner
Der Projektaufbau verdeutlicht, dass der Aufbau der Neuen Freiwilligendienste ohne Partner nicht zu bewältigen ist. Dies gilt auch für die Qualifizierung der Freiwilligen, die beim Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement in Nürnberg und der Landesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen/-zentren in Bayern (lagfa Bayern) in guten Händen liegt. In drei Jahren sollen die Neuen Freiwilligendienste im Landkreis etabliert sein. In Cham hofft man daher nicht nur, dass der Sportunterricht in Kindergärten und Seniorenheimen für die dort tätigen Sportvereine zu einer Selbstverständlichkeit geworden ist, sondern auch zwei dort ansässige und international sehr erfolgreich operierende Unternehmen aus der Elektronik-, bzw. Mechatronikbranche ihre Verwurzelung im Landkreis durch finanzielle Unterstützung bestätigen und dem interkulturellen Teilprojekt „Märchentanten (-onkel)“ Rückenwind geben.
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