Freiwilligendienste mittenmang
Detailinformationen
„Mittenmang" ist ein norddeutscher Ausdruck und bedeutet mittendrin. Denn genau da sollen Menschen mit Behinderung leben und sich engagieren: mitten in der Gesellschaft. Deshalb will das Leuchtturmprojekt „Mittenmang" in Schleswig-Holstein Menschen mit und ohne Behinderungen motivieren und befähigen, sich gemeinsam mit ihrem Können und Wissen in gemeinnützige Projekte einzubringen und am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen. Einsatzfelder für die Freiwilligen sind insbesondere im Seniorenbereich und im Bereich der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen. Entscheidend für den Projekterfolg ist, dass die Engagementwilligen sich ihre konkreten Wirkungsbereiche selbst aussuchen und gestalten. Diese können soziale oder andere kommunale Einrichtungen, Familien und bei kurzzeitigen Engagements auch Projekte und Aktionen, z.B. Selbsthilfe-Wochenenden im Mehrgenerationenhaus Schleswig, sein. Die Begegnung unterschiedlicher Menschen in Freiwilligenteams soll über eine gemeinsame Aufgabenorientierung zu einer veränderten Wahrnehmung bei den Beteiligten beitragen. Ziel ist es, Menschen mit Behinderungen nicht als hilfsbedürftige Individuen, sondern als „bürgergesellschaftliche Subjekte“, also als handlungsfähige und verantwortungsbereite Personen, wahrzunehmen. Einige Menschen mit Behinderung sind bisweilen etwas betreuungsintensiver, aber gute Helferinnen und Helfer können sie immer sein, berichten die Projektverantwortlichen aus ihrer Erfahrung. Seit 2005 ist „Mittenmang“ mit diesem Konzept erfolgreich und beweist, dass Menschen mit Behinderung genauso aktiv im Bereich Freiwilligendienst tätig sein können, wie andere auch. Circa 40 Freiwillige unterschiedlichen Alters sind durchschnittlich im Projekt aktiv, wobei die Mehrheit der Engagierten der Altersgruppe 50+ angehört.
Angesiedelt ist das Projekt bisher in den Landkreisen Schleswig-Flensburg und Segeberg. Doch die Nachfrage nach dem Mittenmang-Konzept und dessen konkreter Arbeit ist bereits jetzt schon so groß, dass mit „Mittenmang-mobil“ die Idee des „Mittendrin“ auch in andere Landkreise hineingetragen werden soll. Bei der Unterstützung und Beratung von Interessierten helfen die „Landesinitiative Inklusion“ (Sozialministerium Schleswig-Holstein) und die Beratungsstelle Inklusion des Paritätischen Schleswig-Holstein.
Bei der Übertragung auf andere Standorte müssen die Rahmenbedingungen stimmen: Grundvoraussetzung für ein solches Projekt ist ein innovatives und sensibles Freiwilligenmanagement. Die Projektleitung, die Freiwilligenkoordinator/innen und die Freiwilligen, müssen den Balanceakt schaffen, Menschen mit Behinderung trotz eines notwendigen Begleitbedarfs tatsächlich als Helfer/innen anzusehen und dies auch nach innen und außen zu kommunizieren.“ Darüber hinaus müssen alle Freiwilligen bereit sein, sich wirklich zu respektieren und von einander zu lernen. Menschen mit Behinderung haben oft mehr Gruppenerfahrung und sind reflektierter als manche Menschen ohne Behinderung. Das begleitende Lernen steht bei „Mittenmang“ allemal im Mittelpunkt. Der Erfahrungsaustausch und die regelmäßige Reflexion des Handelns und Erlebens geben den Freiwilligen Stabilität in ihrem Engagement und sichern die erlangten Fähigkeiten, die das informelle Lernen vor Ort schafft. Hinzu kommen Qualifizierungsangebote für Freiwillige: Einführungen in die Öffentlichkeitsarbeit, Kommunikationskurse, Konflikttraining und Fachkurse, z.B. zum Kochen („gesund und günstig“), zur technischen Handhabung von Rollstühlen und zum sensiblen Umgang mit Menschen im Rollstuhl, zur Kommunikation mit Menschen, die nicht mehr sprechen, zum Umgang mit epileptischen Anfällen, oder Seminare zu Sterben und Tod. Langfristiges Ziel ist es, bei den Qualifizierungsseminaren ein Curriculum an Kursen für Freiwillige zusammenzustellen, das systematisch Basis- und Ergänzungskurse kombiniert und einen Standard formuliert.
Das Projekt möchte kurzfristig mehr Freiwillige aktivieren, über die bisherigen Landkreise hinaus bekannter werden, die Vernetzungen im Bereich der Hilfen für Menschen mit Behinderungen intensivieren, Aktivitäten des bürgerschaftlichen Engagements (in Schleswig-Holstein sind dies Ehrenamt- und Freiwilligeninitiativen) und im Bildungsbereich ausbauen sowie die bislang aufgebauten Strukturen verstetigen. Geplant ist deshalb als nächster Schritt die Gründung einer gemeinnützigen GmbH.
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